Neues Tourismuskonzept für Berlin

Unter dem Arbeitstitel „12x Berlin|er|leben“ erstellt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop gerade ein neues Tourismuskonzept für Berlin. Wir legen den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Stadtverträglichkeit. Es gilt die Akzeptanz für den Tourismus in der Stadt zu erhalten und gleichzeitig stärker auf Qualitätstourismus zu setzen. Schon im Titel des neuen Konzept ist eine zentrale Idee verankert: Berlin hat mehr zu bieten als nur das Brandenburger Tor und Partymachen in Kreuzberg. Wir wollen die Tourismusförderung in den Bezirken ausbauen. Vor Ort erkennt man am besten, wo Chancen liegen und kann schneller und zielgenauer agieren. Oberstes Ziel ist es zukünftig, dass mit den Maßnahmen zur Tourismusförderung die Erlebnisqualität der Besucher*Innen zugleich die Lebensqualität der Berliner*innen erhöht wird.

Der Tourismus ist für Berlin ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor, den wir erhalten müssen. Über 200.000 Menschen leben vom Tourismus in unserer Stadt. Mehr als eine Milliarde Euro Steuereinnahmen werden akquiriert. Die Wachstumszahlen bei den Gästen sind zuletzt nur noch moderat angestiegen. Aber: Wir haben noch Luft nach oben, wenn es darum geht, wie viel Umsatz diese Gäste in der Stadt machen. Wir setzen deswegen auf Qualität statt Quantität: Kongressbesucher*innen, Gourmettourismus, Kultur. Dafür brauchen wir eine gezielte Ansprache beim Marketing und passgenaue Maßnahmen auf der Angebotsseite.

Das Konzept soll die neuen Leitlinien und Handlungsaufgaben beschreiben. Es ist dann Aufgabe aller Senatsverwaltungen – aber auch der Bezirke und unserem Dienstleister visitBerlin – es mit Leben zu füllen. Erste Maßnahmen sind schon auf dem Weg:

  • Verbesserte Sauberkeit in Parks mit hoher touristischer Nutzung durch die BSR
  • Neues Toilettenkonzept: Standorte orientieren sich auch an touristischen Hotspots

Andere konkrete Maßnahmen – z.B. ein Hotelsteuerungsplan, touristische Themenrouten, durchgehende Radrouten und vieles mehr – werden nach und nach folgen. Dabei brauchen wir die Berlinerinnen und Berliner – wir wollen zum Beispiel einen Bürger*innenbeirat für Tourismus einführen, um die Beteiligung zu verbessern.

Wie ist der genaue Stand und wie geht es dann weiter?

Das Konzept wurde im Auftrag von Senatorin Pop von der Firma dwif-consulting in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität und visitBerlin erstellt. Dabei wurden viele „Stakeholder“ befragt – Menschen aus Politik, Verbänden und der Zivilgesellschaft – und um ihren Input gebeten. Diesen Akteuren wurde am 17.11. das Konzept präsentiert.

Aus diesem Konzept erstellt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe aktuell eine Senatsvorlage, die zur Mitzeichnung an die anderen Senatsverwaltungen geht. Wir streben einen Senatsbeschluss Ende Januar an.

Parallel setzen wir aber einzelne Teile auch schon um: Zum Beispiel bei der Sauberkeit in den Parks oder beim Toilettenkonzept. Die Fraktionen im Abgeordnetenhaus beraten den neuen Doppelhaushalt und werden dabei auch die neuen touristischen Aufgaben der Bezirke und andere Aufgaben, die sich aus dem neuen Konzept ergeben in den Blick nehmen.

Was tut wir konkret zum Akzeptanzerhalt für den Tourismus?

Wir sorgen dafür, dass die negativen Begleiterscheinungen des Tourismus reduziert werden – etwa durch häufigere Reinigungszyklen oder durch das Aufstellen von mehr Toiletten in touristischen Hotspots. Zukünftig werden Tourismusmaßnahmen dann finanziert, wenn sie neben der Steigerung der Erlebnisqualität auch immer eine Steigerung der Lebensqualität der Berlinerinnen und Berliner mit sich bringen.

Was passiert mit der Erfolgsgeschichte Tourismus?

Wir wissen um die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Berlin. Wir setzen auf Qualität statt Quantität. Wir werben gezielt um neue Zielgruppen, die mehr Geld in der Stadt lassen (können). Davon profitieren die Unternehmen, aber auch die Beschäftigten in der Touristikbranche. Denn auch prekäre Arbeitsverhältnisse wollen wir hier bekämpfen.

Wie soll das mit der Umverteilung der TouristInnen funktionieren?

Berlin hat mehr zu bieten als Brandenburger Tor und Kreuzberger Nächte. Alle zwölf Bezirke haben Schätze, deren Besuch sich lohnt. Wir wollen die Bezirke in die Lage versetzen, mit eigenen Tourismuskonzepten um Besucher*innen zu werben und gleichzeitig Akzeptanzproblemen frühzeitig zu begegnen. Mögliche Mittel sind zum Beispiel auch bestimmte Themenrouten (etwa zur Industriekultur, zum Bauhaus oder historische Touren).

Wie werden die Berlinerinnen und Berliner eingebunden?

Der Tourismus wandelt sich: Immer mehr Menschen wollen das unmittelbare Berliner Stadtgefühl kennenlernen.  Ohne die Berlinerinnen und Berliner geht es nicht. Wir wollen einen Bürger*innenbeirat und Veranstaltungen zum gegenseitigen Austausch etablieren. Zugleich wissen die Berliner*innen aber selbst am besten, wo neue touristische Orte entstehen und wie die Gastfreundschaft erhöht werden kann. Wir werden die Chancen der Digitalisierung nutzen, um dieses Know-How abzurufen.

Was ist mit AirBnB und Co?

Ein Ausdruck des neuen Stadttourismus ist auch, dass die Besucher*innen direkt bei den Menschen zu Hause unterkommen wollen. Die neue „Sharing-Economy“ wollen wir gezielt regulieren. Dazu gehört eine Registrierpflicht, aber zugleich die Möglichkeit, auch privat in begrenztem, zeitlichen Rahmen Unterkunft anzubieten. Klar ist aber: Alle Regelungen müssen beachten, dass kein Wohnraum verloren geht.

Nachhaltigkeit heißt doch auch Ökologie – was ist da im neuen Konzept drin?

Wir wollen den Fahrradtourismus ausbauen mit durchgehenden Routen und entsprechender Infrastruktur. Fahrradverleihsysteme und -stationen sollen auch in die Außenbezirke ausgebaut werden. Und wir müssen den Reisebusverkehr entzerren und besser steuern. Die Hop-On-Hop-Off-Busse wollen wir möglichst schnell durch elektrisch betriebene Modelle ersetzen.

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